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ENSI Erfahrungs- und Forschungsbericht 2011
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gebieten geologischer Tiefenlager. Dazu wurden
die wichtigsten Prozesse untersucht, welche zur
Bodenbewegung bei Erdbeben beitragen. Diese
umfassen die Beschreibung der Abminderung der
seismischen Energie mit grösser werdender Distanz
zum Erdbebenherd, die Entwicklung von Model-
len für die Verstärkung der Bodenbewegungen in
Oberflächennähe sowie das Verständnis der Phä-
nomene der seismischen Wellenausbreitung in he-
terogenen, nichtlinearen Medien. Ausserdem wur-
de an alternativen Modellen zur Charakterisierung
von seismischen Quellen in der Schweiz geforscht
sowie der historische Erdbebenkatalog weiter er-
gänzt.
Für die Abschätzung der Bodenbewegung an
einem Standort sind neben der Charakterisie-
rung der Erdbebenquelle vor allem die Abmin-
derung der seismischen Energie mit der Distanz
zum Erdbebenherd und die Verstärkung von Bo-
denbewegungen durch lokale Sedimentabla-
gerungen entscheidend (vgl. Resultate des PE-
GASOS Refinement Projects PRP). In der Schweiz
ist die Seismizität relativ gering und somit eben-
so die Datenverfügbarkeit (beschränkte Spannwei-
te an Mag nituden und Bodenbewegungs-Ampli-
tuden). Die Modellierung der Bodenbewegungen
anhand sogenannter Ground Motion Prediction
Equa tions (GMPEs) basiert daher mehrheitlich auf
global erhobenen Datensätzen, welche Schweiz-
spezifische geologische Eigenschaften vernach-
lässigen. Zur Ergänzung der in PRP vorhandenen
globalen GMPEs wurde durch den SED mittels ei-
ner stochas tischen Methode eine Schweiz-spezi-
fische GMPE eingeführt, welche auf dem in der
Schweiz vorhandenen Datensatz basiert und die
geologischen Bedingungen und Beobachtungen
in der Schweiz am besten repräsentiert. Die Ex-
pertengruppe Starkbeben engagiert sich bei der
Weiterentwicklung dieses Schweiz-spezifischen
Abminderungsmodelles, untersucht dessen Ei-
genschaften mit den verfügbaren Daten und ver-
gleicht es mit den globalen GMPEs.
Die Berücksichtigung der lokalen Einflüsse der Se-
dimentbedeckungen an einem Standort (Standort-
effekt) erfolgt meist über eine Standortcharakteri-
sierung und daraus a/jointfilesconvert/360025/bgeleitete standortspezifische
frequenzabhängige Amplifikationsfunktionen für
die horizontale Bodenbewegung. Mit dem V/H-
Verhältnis lässt sich die Bodenbewegung in verti-
kaler Richtung aus der horizontalen Bodenbewe-
gung herleiten. Die aktuellen Erdbebengefähr-
dungs-Analysen (Probabilistic Seismic Hazard As-
sessement – PSHA) bedingen den Einsatz von V/H-
Verhältnissen, um die vertikale Komponente der
Bodenbewegung an die relevanten Szenarien für
die horizontale Komponente anzupassen. Es wur-
de eine Methode entwickelt, mit welcher das V/H-
Bodenbewegungsverhältnis für weiche Ablage-
rungen an einen spezifischen Standort angepasst
werden kann. Ein neu eingeführter Parameter
(quarter-wave-length seismic impedance constrast
parameter) scheint deutliche Verbesserung zu zei-
gen, insbesondere für die Berücksichtigung von
Resonanzphänomenen im V/H-Verhältnis.
Um zukünftige Entwicklungen im Bereich der Erd-
bebengefährdungs-Analyse abzuschätzen, unter-
sucht die Expertengruppe Starkbeben die Voraus-
setzung für den Übergang von der probabi-
listischen zur physik-basierten Erdbebengefähr-
dungsanalyse, die für die weitere Entwicklung
nach dem PRP eine tragende Rolle spielen wird.
Die Charakterisierung von seismischen Quellregio-
nen, die aktuell auf klassischen Zonierungsmodel-
len beruhen, ist ein wesentliches Element der
heuti gen Erdbebengefährdungs-Analysen. Da in
der Schweiz aufgrund der geringen Seismizität,
der relativen kurzen Beobachtungszeit und der oft
diffus auftretenden Seismizität seismisch aktive
Brüche kaum oder gar nicht bekannt sind, wird in-
nerhalb einer Quellregion die Seismizität als räum-
lich und zeitlich homogen verteilt angenommen.
Durch die Extrapolation auf die niedrigen Eintre-
tenswahrscheinlichkeiten von Erdbeben, welche
für Kernanlagen relevant sind, sind die Resultate
mit relativ hohen Unsicherheiten behaftet. Deswe-
gen werden diese Modelle immer stärker durch
geo logisch und physikalisch parametrisierte Mo-
delle ersetzt. Der SED verfolgte deswegen einen
neuen Ansatz und modellierte mit fraktaler Vertei-
lung von Erdbeben eine realitätsnahe Verteilung
der Seismizität. Dieser Ansatz stellt einen ersten
Schritt zur simulationsbasierten Gefährdungsbe-
rechnung der Quellen dar und wird langfristig mit
der Modellierung komplexer Wellenausbreitungs-
phänomene und mit nichtlinearem Verhalten der
Wellenausbreitung kombiniert. Die Expertengrup-
pe hat dazu begonnen, Wellenausbreitungsphäno-
mene in dreidimensionalen und heterogenen
Medien sowie die Auswirkungen von nichtlinea-
rem Bodenverhalten auf die lokalen Amplifikatio-
nen und Standort effekte zu untersuchen. Dabei
wird das Wissen über physikalische Grenzen der
Bodenbewegun gen von Sedimenten und Fels ver-
bessert. Dies wird langfris tig die Unsicherheiten in
den Gefährdungsanalysen reduzieren, um somit die
Gefährdung besser einzuschätzen. Im Jahr 2011
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