
ENSI Erfahrungs- und Forschungsbericht 2011
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wurden zudem ers te Arbeiten in Angriff genom-
men, um die Wahrscheinlichkeiten für Oberflä-
chenverwerfungen zu bestimmen, welche in PE-
GASOS und PRP nicht berücksichtigt sind.
Erdbebendaten bilden die Grundlage für die Erd-
bebengefährdungs-Berechnungen. Da Schadens-
beben in der Schweiz selten sind, muss bei diesen
Berechnungen auf möglichst weite Zeiträume zu-
rückgegriffen werden. Die instrumentelle Seismo-
logie liefert erst seit 1975 verlässliche Daten zur
seismischen Aktivität auf dem Gebiet der Schweiz.
Die Untersuchung der seismischen Gefährdung ist
deshalb auf historische Quellen aus der «vorinstru-
mentellen Zeit» angewiesen. Für grosse Erdbeben
werden auch archäologische und paläoseismolo-
gische Untersuchungen zur Interpretation von Er-
eignissen herbeigezogen. Deshalb beteiligt sich die
Expertengruppe Starkbeben im Rahmen ihres Auf-
trags an der historischen Datenaufarbeitung von
Erdbeben. In diesem Zusammenhang wurde 2011
der überarbeitete Erdbebenkatalog ECOS-09 der
Öffentlichkeit online zugänglich gemacht. Er be-
inhaltet seismische Parameter sowie, soweit vor-
handen, Informationen über die Verteilung der
Intensitäts-Datenpunkte und bibliografische An-
gaben. Da die historische Seismologie keine ab-
schliessende Wissenschaft darstellt, wird sich die
Expertengruppe Starkbeben weiterhin an der his-
torischen Aufarbeitung von Erdbebenereignissen
beteiligen, um die Datengrundlage für die Erdbe-
bengefährdung weiter zu verbessern. Insbeson-
dere sollen bestehende Lücken in der historischen
Seismologie für den Zeitraum seit 1878 geschlos-
sen werden.
Bedeutung des Projekts,
Beitrag zur nuklearen Sicherheit
Die Ereignisse rund um die Kernanlagen von Fu-
kushima haben erneut gezeigt, dass die Erdbe-
bengefährdung im Zusammenhang mit der nukle-
aren Sicherheit ein wichtiges Thema darstellt. Dies
betrifft nicht nur die Kernanlagen selbst, sondern
auch nahe Bauwerke, von denen Gefahren für die
Sicherheit der Kernanlagen ausgehen können. Mit
den von der Expertengruppe durchgeführten Ar-
beiten wird angestrebt, das gesammelte Wissen
aus dem 2012 zu Ende gehenden Projekt PRP zu
erhalten und weiter zu entwickeln. Ergebnisse aus
den Forschungsarbeiten zur Abminderung von
seismischen Wellen im Untergrund und zu Stand-
orteinflüssen sowie zum neuen Erdbebenkatalog
ECOS-09 sind zum Teil bereits in PRP berücksich-
tigt worden.
Die Forschungsbereiche zu alternativen Ansätzen
in der Erdbebengefährdungs-Berechnung, wel-
che geologisch-basierte und physik-basierte Si-
mulationen erforschen, liefern wichtige Randbe-
dingungen und neue Erkenntnisse für zukünftige
Gefährdungsabschätzungen. Die Zusammenarbeit
mit der Expertengruppe erlaubt dem ENSI, frühzei-
tig Handlungsbedarf im Rahmen der Erdbebenge-
fährdung zu erkennen.
Ausblick
Trotz Sistierung der Neubauprojekte für Kernkraft-
werke in der Schweiz und dem politischen Ent-
scheid zum Ausstieg aus der Kernenergie bleibt die
Erdbebengefährdung der existierenden schweize-
rischen Kernanlagen ein zentraler Aspekt. Die Ar-
beiten des PRP werden weiterhin fachlich verfolgt.
Darüber hinaus berät die Expertengruppe das ENSI
bezüglich des Vorgehens bei der Analyse der Erd-
bebengefährdung für die Zeit nach Abschluss des
PRP.
Die Ausrichtung der Forschungstätigkeit der Ex-
pertengruppe Starkbeben wird sich über die beste-
henden Anlagen hinaus vermehrt den Fragestel-
lungen im Zusammenhang mit dem Sachplanver-
fahren und der zukünftigen Erstellung von Ober-
flächen- und Untergrundanlagen zur geologischen
Tiefenlagerung zuwenden. Dazu wird die Exper-
tengruppe Starkbeben das ENSI zu Aspekten der
Erdbebenauswirkungen in Untertagebauwerken
unterstützen.
1.3.5 IAEA KARISMA – Tragwerks-
verhalten des KKW Kashiwa-
zaki-Kariwa beim Erdbeben
vom 16. Juli 2007
Auftragnehmer: Stangenberg und Partner Inge-
nieur-GmbH, Bochum, Deutschland und Basler &
Hofmann AG, Ingenieure, Planer und Berater, Zü-
rich
ENSI-Projektbegleiter: Christian Schneeberger
Einleitung
Das Kernkraftwerk Kashiwazaki-Kariwa in Japan
wurde am 16. Juli 2007 von einem Erdbeben,
dem sogenannten Niigataken-chuetso-oki earth-
quake (NCOE) der Magnitude 6.6, erschüttert.
Wegen der geringen Distanz von 16 km zum Epi-
zentrum und dank der guten seismischen Anla-
geninstrumentierung steht vom Hauptstoss und
von den zahlreichen Nachstössen des Erdbebens
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