
ENSI Erfahrungs- und Forschungsbericht 2011
5
Zusammenfassung
Regulatorische Sicherheits-
forschung
Bei der Wahrnehmung seiner Aufsichtstätigkeit
über die Kernanlagen ist es für das ENSI unerläss-
lich, auf dem aktuellen Stand von Wissenschaft
und Technik zu sein. Deshalb unterstützt und ko-
ordiniert das ENSI Projekte im Rahmen der regula-
torischen Sicherheitsforschung. Deren Ergebnisse
gehen teils unmittelbar in Richtlinien und Einzel-
entscheide des ENSI ein. Im weiteren Sinne die-
nen die Projekte der Ausbildung und dem Kom-
petenzerhalt beim ENSI und seinen Experten. Und
schliesslich leistet das Forschungsprogramm Bei-
träge an zahlreiche internationale Projekte, die
in der Schweiz alleine nicht durchgeführt werden
könnten. Hierdurch wird der für die nukleare Si-
cherheit ausserordentlich wichtige internationale
Austausch gefördert.
Das Programm «Regulatorische Sicherheitsfor-
schung» gliedert sich in sieben Themenbereiche:
1. Der Themenbereich Brennstoffe und Mate-
rialien beschäftigt sich mit dem Reaktorkern
sowie den gestaffelten Barrieren für den Ein-
schluss der radioaktiven Stoffe. Die in diesem
Bereich untersuchten Prozesse der Alterung
von Strukturmaterialien sind entscheidend für
den Langzeitbetrieb der bestehenden Kern-
kraftwerke. Die Projekte Bruchmechanik und
KORA lieferten wesentliche Beiträge für die
neue ENSI-Richtline B01 zur Alterungsüberwa-
chung. Bei den Brennstoffen geht es vor allem
um die Beanspruchung der Brennstab-Hüll-
rohre durch verschiedene Mechanismen. Ein
besonderes Augenmerk liegt hier auf den zu-
nehmend hohen Abbränden.
2. Die Projekte der OECD zu internen Ereignis-
sen und Schäden fördern den internationa-
len Erfahrungsaustausch über Störfälle sowie
Schäden an Komponenten, die Störfälle auslö-
sen oder ungünstig beeinflussen können. Dazu
werden themenspezifische Datenbanken – bei-
spielsweise zu Rohrleitungsschäden, Brand-
ereignissen oder sogenannten «Common
Cause»-Fehlern – aufgebaut, mit denen die
entsprechenden Betriebserfahrungen aus zahl-
reichen Staaten systematisch ausgewertet wer-
den. Mit dem neuen Projekt CODAP der OECD
wird eine umfassendere Übersicht zu Alte-
rungs- und Schädigungsmechanismen von me-
chanischen Ausrüstungen in Kernkraftwerken
geschaffen. Sie integriert die Daten aus den
früheren Projekten OPDE (Rohrleitungsschä-
den) und SCAP (Spannungsrisskorrosion an ver-
schiedenen Komponenten).
3. Das ENSI beschäftigt sich seit geraumer Zeit
intensiv mit externen Ereignissen, im For-
schungsbereich seit 2010 insbesondere mit Erd-
beben, Flugzeugabstürzen und energiereichen
Überspannungen im Hochspannungsnetz. Mit
der Expertengruppe Starkbeben beim Schwei-
zerischen Erdbebendienst verstärkt das ENSI
seine Kompetenz in diesem sicherheitsrele-
vanten Bereich. Neu im Forschungsprogramm
ist zudem das internationale Projekt IMPACT,
das die Auswirkungen von Flugzeugabstürzen
auf die Tragwerke von Gebäuden untersucht.
4. Der Einfluss von Operateurhandlungen auf
Störfälle in Kernkraftwerken steht bei den
menschlichen Faktoren im Mittelpunkt. Da-
bei geht es vor allem um die Zuverlässigkeit des
Verhaltens von Bedienpersonal unter verschie-
denen Bedingungen. Ein weiterer Schwerpunkt
ist der Einfluss der Kontrollraumgestaltung auf
die Leistung der Operateure.
5. Systemverhalten und Störfallabläufe in
Kernkraftwerken werden ausgehend vom Nor-
malbetrieb bis hin zu Kernschmelz-Unfällen
analysiert. Dazu werden Computermodelle er-
stellt und mit Hilfe von Experimenten validiert.
Zunehmend werden verschiedene Modelle und
Rechencodes gekoppelt, um das Anlageverhal-
ten umfassender simulieren zu können. Das
gilt insbesondere für das Projekt PASSPORT. Als
Comentários a estes Manuais